Anti-Gewalt-Training

Das systemisch-lösungsorientierte Antigewalttraining (TESYA®) mit jungen Menschen bei Aktion´70 – Jugendhilfe im Verbund e.V.

Zielsetzung
Ziel des Antigewalttrainings ist es, die Konfliktlösungskompetenz junger Menschen zu erweitern, d.h. konkret

    • mit ihnen gemeinsam wirksame und alltagstaugliche gewaltfreie Handlungsoptionen für Konfliktsituationen zu entwickeln,
    • zu erarbeiten, wie sie ihre Impulse besser steuern und für sich tragfähige und wertschätzende Zugänge zu ihren Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen entwickeln können,
    • ihre Chancen dafür zu erhöhen, sich für selbstfürsorgliches wie sozial verantwortliches Handeln entscheiden zu können,
    • sich mit der eigene Biografie auseinanderzusetzen,
    • die Kommunikationsfähigkeit zu trainieren (Anliegen gegenüber Peers, Lehrern, Eltern, Bezugspersonen zu formulieren),
    • Kritik entgegennehmen und Aushandlungsprozesse gestalten zu können

Außerdem fokussiert das Angebot darauf, die elterliche Präsenz zu stärken. Im Elterncoaching werden diese dabei unterstützt, die eigene Haltung und ihren Erziehungsstil zu reflektieren. Ziel ist die Vermittlung von Kompetenzen in den Bereichen Verlässlichkeit, Orientierung und sicherer Bindung.

Zielgruppe
Das Angebot wird als Einzeltraining durchgeführt und richtet sich an junge Menschen ab 12 Jahren, die sich verbal und/oder physisch gewaltförmig gegenüber Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Schule, Familie oder öffentlichen Raum verhalten.

Das Angebot beinhaltet ein begleitendes Coachingangebot für die Eltern. Es werden bevorzugt junge Menschen trainiert, die in den stationären Angeboten von Aktion´70 betreut werden oder wurden.

Ablauf / Trainingsphasen

Kontakt- / Vorbereitungsphase
Hierbei geht es um eine ausführliche Motivationsklärung des jungen Menschen sowie der Eltern, um sich auf einen gemeinsamen Prozess einzulassen und erste Zielformulierungen zu gestalten. Es finden Familiengespräche und getrennte Gespräche statt.

Trainingsphase
In dieser Zeit werden die Sitzungen mit den jungen Menschen und parallel das Elterncoaching durchgeführt.

Auswertungsphase
Im Anschluss an das Training finden in einem zeitlichen Abstand von etwa 6 Wochen Auswertungs- bzw. Bilanzierungsgespräche statt. Was klappt bereits gut? Was hat sich verändert? Wo gibt es noch Handlungsbedarf?

Methoden
Grundlage des Trainings ist eine systemisch- lösungsorientierte Haltung, die davon ausgeht, dass problematische Verhaltensweise (z.B. aggressives Verhalten) in Konflikten als eine Interaktion zwischen mindestens zwei Parteien betrachtet werden kann.

Es ist bedeutsam, dieses Verhalten aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Ebenfalls wird davon ausgegangen, dass jedes Verhalten aus „guten Gründen“ gezeigt wird und die dahinter liegende Botschaft auch als eine „Botschaft an das System“ identifiziert werden muss.

Die Probanden werden als Experten für das Entwickeln eigener Lösungen angesehen. Die Trainerin wirkt unterstützend in diesem Prozess. Ausgehend von dem Grundsatz, an den Stärken und Fähigkeiten anzusetzen, werden folgende Methoden eingesetzt:

    • verschiedene Kommunikationstechniken,
    • Rollenspiele (z.T. Videoanalyse), um Perspektivübernahme und Empathie zu fördern und neue Reaktionsweisen zu testen,
    • Aufstellungs- und Skulpturarbeit zur Visualisierung und Reflexion innerer Bilder,
    • Embodiment – und Entspannungstechniken zur Aufmerksamkeitsfokussierung,
    • Elemente kooperativer und konfrontativer, konsequent wertschätzender Gesprächsführung,
    • Alltagsexperimente für die Zeit zwischen den Sitzungen

Dauer / Rahmenbedingungen
Das Training wird i.d.R. innerhalb von 6 Monaten abgeschlossen. Es findet in den Räumen von Aktion 70 e.V. in Berlin – Neukölln statt und umfasst 60 Stunden, die wie folgt aufgeteilt werden:

36 Stunden für den Trainingsprozess mit dem jungen Menschen,
24 Stunden für das begleitende Elterncoaching,
Können Eltern nicht in den Prozess einbezogen werden, umfasst das Training mit dem jungen Menschen einschließlich der Umfeldarbeit (BezugsbetreuerIn, Vormund, etc.) 40 Stunden.
Bei Bedarf kann im Anschluss ein Stabilisierungscoaching erfolgen. Ziel ist es, das aufgebaute Vertrauensverhältnis dafür zu nutzen, erlernte Strategien zu festigen. Es umfasst etwa 20 Stunden.

Unsere Trainerin, Frau Linders, arbeitet als Erzieherin mit stark verhaltensauffälligen Jugendlichen im Projektbereich „Flexible Hilfen“ von Aktion´70. Sie ist zertifizierte Tesya®- Antigewalttrainerin.